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Das Berufsbild der Akustikerin / des Akustikers (3/5)

3. Hörschäden und Schwerhörigkeit

Die überaus feinen Hörzellen des Innenohrs sind äusserst verletzlich. Eine zu hohe Belastung überfordert die Stoffwechselvorgänge. Wenn eine zu hohe Belastung nur kurz dauert, so können sich die Zellen in einer anschliessenden Ruhepause wieder erholen. Dauert die Belastung aber zu lange oder wiederholt sie sich laufend ohne ausreichende Ruhepausen, so können die betroffenen Zellen stark geschädigt werden oder absterben. Zellen, die einmal geschädigt sind, regenerieren sich nicht und wachsen auch nicht nach. Das bedeutet, dass bestimmte Frequenzen nicht mehr wahrgenommen werden können. Das mag anfänglich nicht weiter behindernd und kaum wahrzunehmen sein – weil sich die Schädigungen aber kumulieren, fällt dann plötzlich ein ganzer Frequenzbereich aus: Man hört schlecht, hört vielleicht die Vögel oder hohe Geräusche wie Schlüsselgeklapper gar nicht mehr und hat Mühe damit, andere Leute zu verstehen. Hinzu kommt, dass die Leistungsfähigkeit der Haarzellen mit fortschreitendem Alter abnimmt. Zusammen mit den Schädigungen, die man sich im Laufe des Lebens zugezogen hat, kann diese natürliche Abnahme im mittleren Alter starke Hörverluste zur Folge haben.

Die Hauptursache für Schwerhörigkeit ist in weitaus den meisten Fällen der Lärm. Seine Stärke, d. h. die Stärke des Schalldrucks, wird in Dezibel gemessen. Für das Gehör haben kurze, sehr laute Knalle die verheerendsten Wirkungen – bei vielen älteren Männern ist die Schwerhörigkeit auf Schiessübungen im Militär zurückzuführen. Schaden anrichten können aber auch Walkmen, die zu laut eingestellt sind, Stereo-Anlagen und zu lautes Musikhören über Kopfhörer – und nicht zu vernachlässigen ist das Motorengedröhn von Motorrädern, das einen Schalldruck von bis zu 120 Dezibel erreicht. Demgegenüber ist die Belastung des Gehörs durch Rock- und Popkonzerte weniger stark, als ursprünglich angenommen wurde, zudem hat man in der Schweiz den erlaubten Schalldruckpegel auf 93 Dezibel festgelegt.

Neben dem Lärm können aber auch Entzündungen, Missbildungen, Verletzungen und Erkrankungen zu einer Schädigung des Gehörs führen. Relativ häufig sind Entzündungen der Gehörmuschel und des Gehörgangs, die aber meist harmlos ablaufen. Ebenfalls häufig sind Verstopfungen des Gehörgangs durch einen Ohrenschmalzpropf oder durch einen Fremdkörper, der zufällig in den Gehörgang gelangt – auch dies ist harmlos, kann aber das Hörvermögen stark beeinträchtigen und muss vom Ohrenarzt behoben werden.

Schwer wiegender sind Verletzungen und Erkrankungen des Mittelohrs, vor allem, wenn sie das Trommelfell oder die Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss, Steigbügel) in Mitleidenschaft ziehen. Solche Verletzungen können zum Beispiel durch eindringende Gegenstände oder starke Druckwellen – explodierende Knallkörper, Ohrfeigen, Kopfsprung ins Wasser – verursacht werden. Relativ häufig sind auch der Tubenkatarrh und die akute oder chronische Mittelohrentzündung sowie die Otosklerose, eine Verknöcherung des Steigbügels, die einen mikro-chirurgischen Eingriff erfordert.

Auch Innenohr-Erkrankungen können Schwerhörigkeit zur Folge haben. Eine der spektakulärsten Funktionsstörungen ist der Hörsturz, der als plötzliche Schwerhörigkeit oder Ertaubung auftritt. Die Ursachen sind bis heute nicht völlig geklärt, doch steht fest, dass der auslösende Faktor stets ein Sauerstoffmangel ist. Dieser Sauerstoffmangel kann die Folge von Übergewicht, übermässigem Alkohol- und Tabakkonsum, vor allem aber auch von Stress sein. Das Innenohr kann aber auch durch Infektionskrankheiten geschädigt werden, bekannt sind dafür Gürtelrosen, Röteln, Mumps oder Masern. Und schliesslich können viele Innenohr-Schädigungen auf sogenannte «ototoxische Substanzen» zurückgeführt werden: auf Giftstoffe, die auch in vielen Medikamenten, insbesondere in Antibiotika, vorkommen.

Eine besondere Art der Hörschädigung, von der heute zusehends mehr Menschen betroffen sind, ist der sogenannte «Tinnitus»: akustische Phänomene, die ihre Quelle nicht in der Umgebung, sondern im Organismus selber haben. Studien zeigen, dass rund 15 Prozent aller Einwohner eines Landes davon – vorübergehend oder dauernd – betroffen sind. Dabei sind die Geräusche, die sie wahrnehmen, sehr unterschiedlich: Sie können sich anhören wie das Läuten von Kirchenglocken, das Scheppern von Türklingeln, als Brummen, Pfeifen, Kreischen, aber auch als Knarren, Hämmern, Klopfen. Das Leiden kann einseitig oder auf beiden Ohren, ununterbrochen oder phasenweise . Am verbreitetsten sind aber Pfeifgeräusche, und in der Mehrzahl der Fälle ist davon nur ein Ohr betroffen.

Der Akustiker als Partner des Ohrenarztes und der hörgeschädigten Menschen

Wendet sich jemand für einen Hörtest an den Akustiker, so nimmt dieser eine erste Abklärung unentgeltlich vor. Stellt er dabei eine Beeinträchtigung des Hörvermögens fest, vermittelt er die Kundin oder den Kunden an einen Ohrenarzt: Seine Aufgabe ist es, das Gehör medizinisch zu beurteilen und insbesondere abzuklären, ob die Hörschwäche ihre Quelle im Gehörgang, im Mittelohr, im Innenohr, in den Nervensträngen oder im Hörzentrum im Gehirn hat. Der Arzt entscheidet auch, welche Massnahmen für die Behebung einer Schwerhörigkeit notwendig sind.

Bei einer Innenohr-Schwerhörigkeit ist meist eine Hörgeräte-Versorgung angezeigt. In diesem Fall stellt der Ohrenarzt der betroffenen Person eine Erst-Expertise für die Anpassung eines Hörgeräts durch einen Hörgeräte-Akustiker aus und führt am Schluss, nach der Hörgeräteanpassung durch den Akustiker, auch die Schlusskontrolle durch.

Die ärztlichen Audiogramme dienen in erster Linie der genauen Diagnose über Art und Schwere des Hörverlusts, die anschliessenden Messungen des Akustikers sind ausschliesslich auf die Wiederherstellung des Hörvermögens ausgerichtet. Dazu lotet der Akustiker beispielsweise das Resthörvermögen präzise aus und klärt genaustens ab, ab welcher Lautstärke Töne als unangenehm laut empfunden und bei welcher Lautstärke sie gerade noch wahrgenommen werden. Erst danach wählt er das geeignete Hörgerät aus.

Für die audiologischen Messungen und Abklärungen und für die Wahl des Hörgerätes ist der Akustiker auf die Mitarbeit der Kundin oder des Kunden angewiesen. Um die Angaben zu erhalten, die er für die Wahl des «richtigen» Hörgerätes benötigt, muss der Akustiker es verstehen, die «richtigen» Fragen zu stellen – auch betreffend beruflichem und privatem Umfeld, weil durch diese bestimmte Anforderungen an das Hörvermögen gestellt werden. Der Akustiker muss deshalb teilweise auch «intime» Fragen stellen, und dazu muss er es verstehen, zu seinen einzelnen Kundinnen und Kunden ein Vertrauensverhältnis zu schaffen.

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